Drei digitale Verhaltensmuster prägen die Nutzungsrealität moderner Patienten und konvergieren in der ärztlichen Sprechstunde zu einem klinisch relevanten Phänomen: die problematische Smartphone-Nutzung, der Dauerkonsum kurzer Videoformate auf Plattformen wie TikTok, Instagram Reels oder YouTube Shorts und – seit der breiten Verfügbarkeit generativer Sprachmodelle Ende 2022 – die psychische Abhängigkeit von KI-Assistenten zur Meinungsbildung, Entscheidungsfindung und Selbstkontrolle. Aktuelle Studien aus den Jahren 2023 bis 2026 zeichnen ein zunehmend kohärentes Bild: Auf neuronaler Ebene konvergieren diese Verhaltensweisen auf eine Aktivierung des mesokortikolimbischen Belohnungssystems bei gleichzeitiger Reduktion der präfrontalen Top-down-Kontrolle. Klinisch manifestieren sie sich in Aufmerksamkeitsstörungen, depressiver Symptomatik, Schlafstörungen sowie – als jüngstes Phänomen – in einer wachsenden Zahl von Fallberichten über chatbot-assoziierte Wahnentwicklungen und kognitive Entlastungsphänomene.
Autoren
- Tanja Schliebe
Publikation
- HAUSARZT PRAXIS
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