Angststörungen treten häufig zusammen mit weiteren psychischen Erkrankungen auf und beeinflussen deren Verlauf, Schwere und Therapierbarkeit. Die vorliegende Arbeit von Zlomuzica und Kolleginnen behandelt die Frage, wie Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung zur Generalisierung von Extinktions- und Expositionslernen helfen können, Behandlungsstrategien für Menschen mit komorbider Angst zu verbessern. Expositionstherapie gilt als eines der wirksamsten Verfahren zur Behandlung von Angststörungen. Sie beruht auf dem Prinzip, dass wiederholte Konfrontationen mit angstauslösenden Reizen in Abwesenheit negativer Konsequenzen zu einer Reduktion der Angst führen. Die Autoren betonen jedoch, dass dieser Prozess nicht als Löschung alter Gedächtnisinhalte zu verstehen ist, sondern als Erwerb neuen Wissens, das die ursprüngliche Reiz-Furcht-Verbindung hemmt. Dieses neue Lernen ist stark kontextabhängig und kann von situativen Faktoren beeinflusst werden. In der klinischen Realität zeigt sich, dass Extinktionslernen häufig nicht in Situationen ausserhalb des therapeutischen Kontextes übertragen wird, was die Gefahr von Rückfällen erhöht. Besonders bei komorbiden psychischen Erkrankungen können Lernprozesse beeinträchtigt sein, was die Notwendigkeit einer tieferen Auseinandersetzung mit Generalisierungsmechanismen verdeutlicht.
Autoren
- Tanja Schliebe
Publikation
- Depression und Angstörungen-Special
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